Trinkwasserverordnung: Was Vermieter beachten müssen
Wie entstehen Legionellen im Trinkwasser?
Sauberes Trinkwasser ist in Deutschland selbstverständlich. Doch gerade in Warmwasseranlagen können sich gefährliche Bakterien vermehren, wenn die Anlage nicht korrekt betrieben oder gewartet wird. Die Trinkwasserverordnung soll genau das verhindern – und verpflichtet Vermieter, Hausbesitzer und Verwalter zum Schutz ihrer Bewohner.
Leon
3. Dezember 2025 | Badezimmer
Warum die Trinkwasserverordnung so wichtig ist
Mit der Trinkwasserverordnung sollen Verbraucher vor gesundheitsgefährdendem Wasser geschützt werden. Eine der größten Gefahren sind dabei Legionellen – stäbchenförmige Bakterien, die unter bestimmten Bedingungen massenhaft entstehen können.
Das Risiko ist unsichtbar: Gelangen die Keime über feinste Wassertröpfchen (Aerosole) beim Duschen in die Lunge, können sie die schwere Legionärskrankheit (eine Form der Lungenentzündung) auslösen. Vermieter und Eigentümer tragen daher eine hohe Verantwortung: Sie müssen sicherstellen, dass die Trinkwasserqualität regelmäßig kontrolliert und dokumentiert wird.
Wie entstehen Legionellen?
Legionellen kommen in geringen Mengen ganz natürlich im Grund- und Trinkwasser vor. Kritisch wird es erst, wenn sie sich explosionsartig vermehren. Doch wie entstehen Legionellen genau?
1. Der optimale Temperaturbereich
Der wichtigste Faktor ist die Temperatur. In einem Bereich zwischen 20 °C und 45 °C finden die Bakterien ideale Wachstumsbedingungen. Erst ab einer konstanten Temperatur von über 60 °C sterben sie zuverlässig ab.
2. Die „Festung“ im Rohrnetz: Der Biofilm
Legionellen schwimmen nicht nur lose im Wasser. Sie siedeln sich bevorzugt an den Innenwänden der Rohre an und bilden dort zusammen mit Kalk und anderen Mikroorganismen einen sogenannten Biofilm. Dieser schleimige Film wirkt wie eine Schutzfestung: Er bietet den Bakterien Nahrung und schützt sie vor äußeren Einflüssen. Besonders in alten Leitungen oder bei Korrosion finden die Keime hier ideale Bedingungen.
3. Stagnation und Technik-Mängel
Wenn Wasser längere Zeit steht (Stagnation), kühlt es ab und der Biofilm kann ungestört wachsen. Als Fachbetrieb für Heizung und Sanitär identifizieren wir oft technische Schwachstellen:
Totleitungen: Stillgelegte Rohre (z. B. zu einem selten genutzten Gäste-WC) lassen das Wasser stehen und werden zur Keimschleuder für das gesamte Hausnetz.
Fehlender hydraulischer Abgleich: Nur wenn das Zirkulationssystem perfekt eingestellt ist, erreicht das heiße Wasser jeden Winkel des Hauses. Ohne diesen Abgleich entstehen „kalte Ecken“, in denen Legionellen leichtes Spiel haben.
Die Pflichten laut Trinkwasserverordnung
Vermieter, Hausbesitzer und Verwalter sind gesetzlich verpflichtet, ihre Trinkwasseranlagen regelmässig prüfen zu lassen. Diese Pflichten sind in der Trinkwasserverordnung genau geregelt:
Auch Bleileitungen sind ein Thema: Seit 2013 müssen Vermieter ihre Mieter informieren, falls noch Bleirohre im Haus vorhanden sind. Um die gesetzlichen Grenzwerte einzuhalten, ist ein Austausch dieser Leitungen unumgänglich.
Pflicht
Beschreibung
Anzeigepflicht
Zentrale Warmwasseranlagen und bauliche Änderungen müssen beim Gesundheitsamt gemeldet werden.
Prüfpflicht
Wasserproben müssen jährlich von zugelassenen Laboren untersucht werden.
Aufzeichnungspflicht
Verwendete Aufbereitungsstoffe und deren Konzentration sind zu dokumentieren.
Informationspflicht
Ergebnisse der Trinkwasserprüfung müssen den Mietern schriftlich oder per Aushang zugänglich gemacht werden.
Wer ist betroffen?
Die Verordnung gilt für alle Gebäude mit gewerblicher Nutzung, also insbesondere für Mehrfamilienhäuser mit zentraler Warmwasserbereitung. Doch auch private Wohneigentümer müssen sicherstellen, dass ihre Anlagen den hygienischen Standards entsprechen.
Vernachlässigt ein Eigentümer seine Pflichten, kann das gravierende Folgen haben – von Bußgeldern bis zu Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren, wenn Mieter durch kontaminiertes Wasser geschädigt werden.
Schutz und Vorsorge: So beugen Sie Legionellen vor
Warmwasser über 60 °C halten, damit sich keine Keime bilden.
Regelmässig alle Wasserhähne nutzen, damit das Wasser nicht steht.
Leitungen spülen, besonders nach längerer Abwesenheit.
Anlagen jährlich prüfen lassen, um Legionellen frühzeitig zu erkennen.
Fazit zur Trinkwasserverordnung: Verantwortung übernehmen, Gesundheit schützen
Die Trinkwasserverordnung schützt nicht nur Mieter, sondern auch Eigentümer – durch klare Vorgaben für Hygiene und Wartung. Wer seine Anlage regelmässig überprüfen lässt, schützt sich vor gesundheitlichen Risiken, hohen Strafen und unnötigen Folgekosten.